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Podologie-Instrumente richtig reinigen & sterilisieren (Autoklav 134 °C)

Instrumente sterilisieren Podologie: RKI-konformer Workflow für Autoklav 134 °C — Reinigung, Desinfektion, Verpackung und Standzeit-Pflege erklärt.

17. Juni 2026

Podologie-Instrumente richtig reinigen & sterilisieren (Autoklav 134 °C)

Die Aufbereitung von Podologie-Instrumenten ist kein rein hygienisches Thema — sie ist eine gesetzliche Anforderung und beeinflusst direkt die Lebensdauer hochwertiger Instrumente. Wer Instrumente falsch reinigt, falsch verpackt oder im falschen Programm autoklaviert, riskiert sowohl Patientensicherheit als auch vorzeitigen Geräteverschleiß. Dieser Leitfaden beschreibt den vollständigen RKI-konformen Aufbereitungsworkflow für eine podologische Praxis.

Rechtlicher Rahmen: Was gilt in Deutschland?

Für zugelassene podologische Praxen (Heilmittelerbringer nach § 124 SGB V) gilt:

  • RKI-Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten” (aktuelle Fassung): Instrumente mit Patientenkontakt sind Medizinprodukte der Risikoklasse — sie müssen sterilisiert, nicht nur desinfiziert werden.
  • MPBetreibV (Medizinprodukte-Betreiberverordnung): schreibt die Validierung des Aufbereitungsprozesses und die Dokumentation vor.
  • TRBA 250: Biostoffverordnung — schützt das Praxispersonal bei der Aufbereitung.

In der Praxis bedeutet das: Freihanddesinfektion reicht nicht. Instrumente, die Haut oder Nägel direkt berühren (Nagelzangen, Fräser, Sonden, Orthonyxie-Zangen), müssen in den Autoklav.

Schritt 1: Vorreinigung direkt nach der Behandlung

Unmittelbar nach jeder Behandlung gilt: Blut, Hornhautmaterial und Biofilm müssen vor der Desinfektion entfernt werden, weil Desinfektionsmittel organische Masse nicht vollständig durchdringen können.

Ablauf:

  1. Instrumente sofort in eine Enzymlösung (Einweichlösung mit Proteasen) legen — kein Trocknen lassen, da getrocknete Kontaminante sehr schwer zu entfernen sind.
  2. Einwirkzeit 15–30 Minuten (Herstellerangaben beachten).
  3. Bürsten oder Ultraschallreiniger: Gelenke, Schneidkanten und Hohlräume werden mit Instrumentenbürste oder im Ultraschallbad (mindestens 3 Minuten, 40–50 kHz) bearbeitet.
  4. Klarspülung mit destilliertem Wasser.

Ultraschall entfernt Rückstände aus Gelenken und Rillen erheblich gründlicher als manuelle Bürstreinigung — besonders wichtig bei Zangen mit Präzisionsgelenk wie der ND-Orthonyxie-Serie und CP-Nagelzangen.

Schritt 2: Desinfektion

Nach der Reinigung folgt die Instrumentendesinfektion als chemisch-physikalische Vorstufe zur Sterilisation:

  • Tauchdesinfektionslösung (z. B. auf Aldehyd- oder Alkohol-/Quaternäre-Ammoniumsalz-Basis, gelistet im VAH-Kompendium)
  • Einwirkzeit und Konzentration exakt nach Herstellerangabe
  • Instrumente vollständig untergetaucht, keine Luftkammern in Gelenken

Nach der Desinfektion: Spülung mit sterilem oder destilliertem Wasser, trocknen — kein Leitungswasser (Kalk- und Mineralrückstände fördern Korrosion im Gelenk).

Schritt 3: Verpackung vor dem Autoklav

Instrumente dürfen nicht lose in den Autoklav — die Sterilisationsbarriere muss gewährleistet sein:

  • Sterilisationsbeutel mit Papier-/Folienverbund (Typ II nach EN ISO 11607)
  • Beutel siegeln, Chargennummer und Datum außen aufbringen
  • Keine Überladung: Dampfzirkulation muss gewährleistet sein

Für Zangen mit Gelenk: Instrument geöffnet einpacken — sonst kommt Dampf nicht an alle Oberflächen.

Schritt 4: Autoklavierung — Parameter und Programme

Für podologische Instrumente gilt in Deutschland:

ParameterWert
Temperatur134 °C
Haltephase≥ 3 Minuten (Vorvakuum-Autoklav)
Druck~3 bar
AutoklavtypVorvakuum-Autoklav (Klasse B) — nicht Gravitationsautoklav

Warum kein Gravitationsautoklav (Klasse N)? Instrumente mit Gelenken, Hohlräumen und komplex geformten Oberflächen (alle Zangen, Fräser) werden im Gravitationsverfahren nicht sicher durchdampft. Die Vorvakuum-Methode evakuiert Luft aktiv und sorgt für gleichmäßige Dampfpenetration.

Fräser aus Hartmetall — wie der FW 670 — sind für 134 °C im Vorvakuum ausgelegt. Dasselbe gilt für alle Chirurgenstahl-Instrumente der CP-Nagelzangen-Serie, die Hornhautzange CS 00-10 und die Orthonyxie-Zangen ND 05-15 und ND 02-12.

Nicht autoklavierbar: Instrumente mit Gummigriffen, Plastikteilen, Klebstoffverbindungen oder vergoldeten Oberflächen — immer Herstellerhinweise prüfen.

Schritt 5: Lagerung und Dokumentation

Nach dem Autoklav:

  • Beutel vollständig trocknen lassen (feuchte Beutel = Sterilisationsbarriere gebrochen)
  • In sauberer, staubgeschützter Schublade lagern, kein direkter Lichteinfall
  • Lagerzeit: Gemäß DIN EN 868 und Herstellerangaben — im Regelfall 6 Monate für versiegelte Beutel in sachgerechter Lagerung
  • Chargenprotokoll führen: Datum, Autoklavnummer, Chargennummer, Parameterkontrolle (Integrator-Streifen). Diese Dokumentation ist Pflicht und kann bei Praxisbegehung verlangt werden.

Instrumentenpflege: Standzeit verlängern

Richtig gepflegte Chirurgenstahl-Instrumente halten 5–10 Jahre und mehr. Die wichtigsten Maßnahmen:

Nach dem Autoklav:

  • Gelenke mit Instrumentenöl (spezifisch für Autoklav-Instrumente, keine normalen Öle) einölen — ein Tropfen ins Gelenk, dann einmal öffnen und schließen.
  • Auf Korrosionspunkte prüfen: Kleine braune Punkte oder Pockennarben zeigen Lochkorrosion — Instrument austauschen, nicht weiterverwenden.

Allgemein:

  • Chirurgenstahl und Kohlenstoffstahl nie gemeinsam lagern (galvanische Korrosion)
  • Keine abrasiven Reinigungsmittel (Stahlwolle, grobe Schleifmittel)
  • Instrumente nicht übereinanderstapeln (Schneidkanten beschädigen sich)

Schärfekontrolle:

  • Nagelzangen: Schneidetest an Papier oder einem dünnen Fingernagel-Teststreifen — sauberer Schnitt ohne Gratbildung
  • Fräser: Visuelle Kontrolle der Verzahnung, keine abgebrochenen oder verbogenen Flanken
  • Orthonyxie-Zangen: Gelenkspiel prüfen — kein laterales Spiel, gleichmäßige Federwirkung

Dokumentationspflichten im Überblick

DokumentInhaltAufbewahrung
ChargenprotokollDatum, Uhrzeit, Programm, Parameter, Integrator-Ergebnis≥ 5 Jahre
Gerätebuch AutoklavWartungen, Kalibrierungen, StörungenLaufend
Technische Dokumentation InstrumenteHerstellerinfo, AutoklavierbarkeitSolange in Gebrauch
ValidierungsnachweisErstvalidierung + jährliche WiederholungLaufend

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